29 Okt

Typische Fehler beim Unternehmenswachstum

„If you are not failing every now and again, it’s a sign you are not doing anything innovative“
 Woody Allen

Wenn sich Unternehmen in der Wachstumsphase befinden, kommt es oft zu Fehlern. Das Unternehmen probiert etwas aus, was es vorher noch nie gemacht hat und versucht neue Wege zu gehen, für die ihm vielleicht schlicht und ergreifend Erfahrungen fehlen.

Viele Fehler passieren allein aus dem Grund, dass sich Unternehmen schnelles Wachstum wünschen. Dabei besteht immer die Gefahr, dass die Grundlage dafür noch nicht erschaffen würde – es fehlt an Personal, Wissen und Kapazitäten für das gesunde Wachstum. Unternehmenswachstum um jeden Preis – wenn Firmen nach diesem Motto handeln, vergessen sie das Wichtigste: Die Geschwindigkeit, mit der sich Unternehmen weiterentwickelt, ist noch kein Indikator für sein Erfolg.

Das sind die typischen Fehler, die den wachsenden Unternehmen oft im Wege stehen:

  • Das lokale Geschäftsmodel im Ausland 1-to-1 umsetzen

Bevor man ins Ausland geht, muss man sein Geschäftsmodel unbedingt an die lokalen Gegebenheiten anpassen. Selbstverständlich müssen die rechtlichen Aspekte und die kulturellen Besonderheiten berücksichtigt werden, aber auch Kundenwünsche und die Besonderheiten von Vermarktungskanälen müssen angepasst werden. Im Kontext der Internationalisierung bedeutet es, dass Betreiber von Online Shops nicht nur die Währung anpassen und Ihre Produktseiten übersetzen müssen, sondern auch auf Aspekte wie Größen bei Textilien und Schuhen oder  Zahlungsbesonderheiten, achten müssen.

Damit die Internationalisierung erfolgreich verläuft, braucht man auch Mitarbeiter, die sich mit dem jeweiligen Land auskennen. Empfehlenswert ist es einen Country Manager zu holen oder mit einer Agentur zusammen zu arbeiten, die bereits Erfahrungen in diesem Land gesammelt hat.

  • Alle Aufträge annehmen

Viele Unternehmer, die gerade dabei sind, neue Märkte zu erobern oder neue Geschäftszweige zu gründen, versuchen jeden Auftrag anzunehmen, den sie nur bekommen können. Eine richtige Vorgehensweise, zumindest auf den ersten Blick. Doch neue Kunden und neue Aufträge erfordern Kapazitäten und gerade wenn es um die neuen Bereich geht, wo man noch nicht so viel Erfahrung hat, kann es schnell passieren, dass man zu wenige Kapazitäten einplant. Man ist selbst schließlich in der Lernphase und kann noch nicht alle Risiken einschätzen, die die Zeit rauben werden. Deshalb sollten Unternehmen, bevor sie neuen Aufträge holen, erst mal umdenken: Ist der Auftrag für uns wirklich wirtschaftlich? Lohnt es wirklich, uns mit dem aufwendigen Projekt zu beschäftigen, wenn es am Ende nur wenig Profit bringt? Lieber sich erstmal auf wenigen Aufträge konzentrieren, die dem Wachstum helfen und nicht ihm im Wege stehen.

  • Alte Unternehmensstrukturen bewahren

Wenn ein Unternehmen schnell wächst, dann bleiben oft interne Veränderungen auf der Strecke. Wenn neue Produkte eingeführt werden oder neue Märkte erobert werden, hat man oft einfach keine Zeit, sich mit internen Strukturen auseinanderzusetzen. Dabei braucht Unternehmenswachstum immer eine solide Grundlage – nämlich konsequente interne Prozesse. Es muss verbindlich festgelegt werden, wer sich um die neuen Aufgaben kümmert und wie die Abstimmungsprozesse verlaufen müssen. Wird den neuen Strukturen keine Aufmerksamkeit geschenkt, kann es zu einer hohen Mitarbeiterunzufriedenheit führen und man kann wertvolles Human Capital verlieren.

  • Angst neue Wege zu gehen

Eins ist klar: Ein kleines Unternehmen kann sich nicht in der gleichen Reihe wie die großen Unternehmen positionieren. Denn wenn eine Firma versucht das Gleiche anzubieten, wie ein großes Unternehmen, wird sie sicher scheitern. Wenn sich die Firma auf einer Marktlücke konzentriert oder besondere Dienstleistungen anbietet, dann hat die Firma es viel leichter, denn der Wettbewerb ist kleiner. Das bedeutet, das Unternehmenswachstum, das hauptsächlich darin besteht, die vorhandene Produkt- oder Dienstleistungspalette zu erweitern, kann nur dann erfolgreich werden, wenn die angebotenen Newcomer etwas Besonderes liefern und nicht das, was an jeder Ecke angeboten wird.

  • Sich auf eigenes Know-How verlassen

Jede Wachstumsstrategie muss mit einem Beratungsgespräch beginnen. Unternehmen, die sich in ein neues Terrain vorwagen, brauchen Unterstützung von Experten, die in diesem Bereich jahrelange Erfahrungen gesammelt haben. Es ist viel effektiver von einem Profi zu hören, inwieweit die Geschäftsidee markttauglich ist, als sie einfach zu verwirklichen, um danach festzustellen, dass die Idee längst nicht mehr innovativ ist. Der Berater muss nicht nur ein tiefes Verständnis von der Branche haben, sondern sich auch mit Risiken und Gefahren von Unternehmenswachstum auskennen. Ein objektiver Blick auf das Unternehmen, sein Potential und Besonderheiten wird umso nützlicher, wenn der Berater nicht aus dem eigenen Unternehmen stammt.

  • Kommunikation vernachlässigen

Positive Unternehmensveränderungen müssen sowohl intern als auch extern kommuniziert werden. Wenn die Mitarbeiter über die neuen Ziele nicht informiert werden, dann muss man sich nicht wundern, dass die Akzeptanz  gering bleibt. Mit zielgerichteten, ausführlichen Kommunikationsmaßnahmen wird nicht nur mehr Verständnis innerhalb des Betriebes geschaffen, sondern das Interesse bei Mitarbeitern geweckt und Ihr Involvement gesteigert.

Das Unternehmenswachstum ist außerdem immer ein guter Grund, sich in den Medien zu positionieren. Besonders regionale Medien werden daran interessiert sein, einen Bericht über das wachsende Unternehmen zu veröffentlichen, vor allem wenn es schon konkrete Erfolge vorweisen kann, z.B. neue Stellen werden geschaffen oder es werden neue CSR Projekte im Unternehmen umgesetzt.

  • Ohne Testphase starten

Jede Strategie muss getestet werden, bevor Zeit und Geld in die Umsetzung investiert wird. Am besten testet man seine Idee in einer kleinen Gruppe, indem man zum Beispiel eine Fokus-Gruppe zusammen stellt und die Idee zum Diskutieren anbietet. Am besten soll so eine Gruppe aus Menschen bestehen, die repräsentativ die potentiellen Kunden darstellen. Anhand dieser Tests kann man die Idee anpassen und weiterentwickeln.

 

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